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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

FIDDLER´S GREEN: Die Bildung ist der Schlüssel

Wenn es um den Mix von Irish Folk mit Punkelementen geht, sind Fiddler´s Green in Deutschland unumstritten die Nummer 1. Sowohl auf ihren Konzerten, als auch auf den Alben, geben die ursprünglich aus Erlangen stammenden Herren Vollgas - da macht auch die neue LP Heyday keine Ausnahme. Tatsächlich gab es bisher aber viel zu wenige Interviews mit den Fiddler´s bei uns auf Nightshade, was wir bei dieser Gelegenheit unbedingt ändern wollten. Und obwohl die Band gerade voll in den Tourvorbereitungen (Daten im Anschluss an das Interview) steckt, fand Bassmann Rainer Zeit, sich unseren via Email übersandten Fragen zu widmen - lest also im folgenden, welche Hürden es zuletzt für Fiddler´s Green zu überwinden gab, was Rainer von Partyschlagern hält und wofür er auf der Bühne Ersatzbecher braucht.

Otti:
Ihr habt bereits immens viele großartige Alben produziert. Wie ist es Euch gelungen, mit Heyday einmal mehr ein Werk abzuliefern, das nicht an Beliebigkeit krankt, sondern wieder zahlreiche Highlights enthält?

Rainer:
Vielen Dank für die Blumen! Wir haben uns auch annähernd zwei Jahre Zeit gelassen. Da war dann sehr viel Zeit, um alles aus den Ideen rauszukitzeln, die einem über die Monate so zufliegen. Die Atmosphäre im Studio ist auch immer sehr entspannt und zugleich kreativ. Aus den grob 25 Titeln, die wir vorproduziert, hatten sind es zum Schluss die 15 des fertigen Albums geworden. Wir konnten uns für die Songs entscheiden, die zusammen ein geiles Album ergeben.

Fiddler´s Green
"Der Punk hatte für Teile der Band einen sehr prägenden Einfluss auf die musikalische Frühentwicklung."

Otti:
Was waren die drei markantesten Momente während der Entstehungsgeschichte des Albums?

Rainer:
Ein wichtiger Punkt war sicher wieder vor einem Jahr die Grippe - leider trifft uns der Infekt gern zu Beginn der Recordingzeit. Insbesondere für die Gesänge ist das extrem hinderlich. Unsere kleine Tour zum St. Patricksday mussten wir 2018 deswegen leider auch verschieben. Das bringt dann den weiteren Fortschritt reichlich durcheinander. Markant sind bei der Studioarbeit immer der erste und der letzte Tag. Beides ist mit einer gewissen Euphorie verbunden. Daher freuen wir uns schon jetzt wieder auf den nächsten ersten Tag!

Otti:
Heyday ist zeitgleich mit dem neuen Album Hey! von Subway To Sally erschienen, die ihr ja dieses Jahr auch auf deren Eisheilige Nacht Konzertreise begleitet. Zufall? Und was verbindet Euch ansonsten mit Eric und co?

Rainer:
Naja - uns hat es auch überrascht. Anfang August 2018 hatten wir uns auf den Veröffentlichungstag und Titel des Albums festgelegt - da war von den Plänen von Subway To Sally noch nichts bekannt. Als wir dann von der Namensgebung erfahren hatten, war es für uns zu spät den Titel zu ändern. So war es dann doch ein wenig unglücklich.
Mit Eric & Co verbinden uns die musikalischen Wurzeln und die fast gleich lange Bandgeschichte. Somit läuft man sich immer so oft im Jahr über den Weg. Neuerdings produzieren STS ihre Alben auch keine 10km entfernt von meinem Wohnort...

Otti:
Wie wichtig ist es allgemein, sich mit anderen Bands und deren Mitgliedern zu verstehen? Und gab es auf der anderen Seite auch schon mal echte Konflikte mit "Kollegen", die schwer oder gar nicht zu lösen waren?

Rainer:
Sich gut mit anderen Musikern zu verstehen ist sehr wichtig - allerdings natürlich nicht um jeden Preis. Mit A. Gabalier müsste ich jetzt beispielsweise nicht zwingend ein Bierchen trinken. Konflikte gab und gibt es natürlich immer mal wieder kleinere - die lösen sich dann meist dadurch dass wir länger durchhalten. ;)

Otti:
Das Lied Better You Say No handelt davon, im letzten Moment am Altar die Kehrtwende zu machen, bevor man sich in einer zweifelhaften Beziehung "ewig" bindet. Wie gelingt es Dir als Musiker, die Liebe zu leben, und was sind die größten Herausforderungen, die Euer Lebensstil an Beziehungen stellt?

Rainer:
Ich kanns mir gar nicht mehr anders vorstellen. Ich mache ja fast schon immer Musik. Die größte Herausforderung war früher immer, dass an Tagen, an denen normalerweise gefeiert wurde, meistens ein eigener Auftritt auf dem Zettel stand. Das hat sich inzwischen relativiert und wurde durch den Umstand, jetzt wochentags zuhause zu sein, mehr als ausgeglichen.

Otti:
Heyday enthält in der Digipack-Version eine Bonus-CD mit den "Punk Sessions". Welche Bedeutung hat der Punk für Fiddler´s Green, aber auch für Deine persönliche Entwicklung?

Rainer:
Der Punk hatte für Teile der Band einen sehr prägenden Einfluss auf die musikalische Frühentwicklung. Und sowas lässt einen dann nicht mehr los. Die schnörkellose Energie passt zudem hervorragend zu den eher filigranen Folkelementen, die in unseren Songs ja auch sehr dominant sind. Quasi die perfekte Kombination. Bei den Punksessions überwiegen dann doch eher die schnelleren Punkeinflüsse.

Otti:
Das rebellisch-anarchische findet sich in Eurer Musik ja seit jeher wieder. Auf Heyday ist es zum Beispiel No Anthem, welcher in diese Richtung schlägt. Welchen Hintergrund hat dieses Stück?

Rainer:
Wir müssen alle wacher werden und mit offenen Augen durch die Welt gehen. Gewalt oder Nationalismus sind keine Lösungen für die Probleme unserer heutigen Zeit. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Otti:
Zu Eurem Repertoire gehört seit Devil´s Dozen mit Down ein grandioses Stück, welches die alte Partisanenhymne Bella Ciao aufgreift. Das Lied hat zuletzt in einer Popversion ein Chartrevival erlebt und wurde anschließend von DJ Ötzi sogar in einen Partyschlager transformiert. Wie denkst Du/Denkt Ihr darüber?

Rainer:
Wir waren vom Revival des Liedes ziemlich überrascht. Stefan, unser Akkordeonspieler, wollte es schon sehr lange covern oder irgendwie einbauen. Im Übungsraum kam uns dann die Idee, es mit El Condor pasa zu kombinieren. Da war Bella Ciao noch ein "Geheimtipp" - ein Jahr später wurde es zum Sommerhit. Ob allerdings ein Partisanensong geeignet, ist um von DJ Ötzi zu einem Ballermannhit verarbeitet zu werden, ist sehr fraglich.

Otti:
Aktuell finden unter dem Motto "Fridays For Future" regelmäßig Demonstrationen von Schülern zum Thema Klimaschutz und anderen Zukunftsthemen statt. Ist das vielleicht die letzte Chance, nochmal wirklich revolutionäre Gedanken in die Politik zu tragen und eine Zeitenwende herbei zu führen?

Rainer:
Naja - von letzten Chancen wird schon sehr oft gesprochen. Aber es ist wieder höchste Zeit, dass sich die Jugend politisiert. In den letzten 10-20 Jahren konnte man das Gefühl haben, dass der Generation der 20-30 jährigen alles gleich ist, was mit ihnen gemacht wird. Und dass sie keine Ahnung von dem haben, was passiert. Auch das war bzw ist ein Nährboden für gefährliche Tendenzen. Was jetzt nötig ist, sind kreative Ideen zur Lösung akuter Probleme - und auch Mut, Kraft und Ausdauer, um zu zeigen dass es eben nicht egal ist, was in 50 Jahren mit der Welt passiert.

Otti:
Was sind denn allgemein für Dich die größten Probleme im aktuellen Weltgeschehen, an denen man mal dringend etwas ändern sollte?

Rainer:
Das dringendste Problem ist die Dummheit bzw Blödheit. Bildung auf allen Ebenen war und ist schon immer der Schlüssel zur Lösung aller Probleme.

Fiddler´s Green
"Bildung auf allen Ebenen war und ist schon immer der Schlüssel zur Lösung aller Probleme."

Otti:
Der Titelsong Heyday spielt ja auch auf gewisse Personen der Weltöffentlichkeiten an, versprüht aber vor allem eine "nicht unterkriegen lassen" Stimmung. Generell nehme ich Fiddler´s Green als sehr lebensbejahende Formation dar, die aber auch traurige und melancholische Momente zulässt. Wie wichtig ist Euch ein Gleichgewicht zwischen den fröhlichen und ruhigen Songs und Momenten des Lebens?

Rainer:
Melancholische und ruhige Momente gibt es im Leben viele - und das kommt meistens ohne eigenes Zutun. Da ist ein Gegenpol sehr wichtig. Wenn das dann aber das Leben dominiert, wird es sehr unschön. Zum Glück haben wir die Musik, die uns als Spiegel die Möglichkeit gibt, dagegen anzusingen. Quasi eine Art Eigentherapie, bevor wir eine benötigen.

Otti:
Ein ganz besonderer Moment jedes Jahres dürfte für Euch Euer eigenes Festival Shamrock Castle sein. Was waren für Dich da die tollsten Erlebnisse im vergangenen Jahr? Und worauf freust Du Dich bezüglich des Shamrock Castle 2019 ganz besonders?

Rainer:
Das Shamrock Castle ist immer eine Mischung aus Klassen- und Familientreffen. Extrem spaßig. Inzwischen sind wir hier zum Szenefestival Nummer eins geworden. Eine sehr geniale Möglichkeit, alle Bands des Genres kennenzulernen. Einzig die kostenintensiven amerikanischen Bands fehlen. Jedes Jahr ist das Festival für uns wieder ein besonderes Ereignis - eigentlich im Ganzen, so dass es keine besonderen Punkte gibt die herausstechen.

Otti:
Auf der Bühne fand ich ja auf den letzten Konzerten auch die Performance zu John Kanaka sehr beeindruckend. Wie lange musstet Ihr das einüben und wie oft habt ihr das bisher live auch mal verhauen?

Rainer:
Naja - ein bisschen mussten wir da schon üben. Und leider fliegt auch gern mal ein Becher daneben. Zum Glück habe ich aber ein paar Ersatzbecher neben mir stehen.

Damit bedanken wir uns bei Rainer für dieses schöne Interview - hier noch die Daten zur "Heyday"-Tour:

12.04.2019 DE KLINGENTHAL - Gambrinus (verlegt von Markneukirchen!)
13.04.2019 DE DRESDEN - Alter Schlachthof
26.04.2019 DE NÜRNBERG - Löwensaal
27.04.2019 DE ERFURT - HsD Gewerkschaftshaus
02.05.2019 DE FRANKFURT/MAIN - Batschkapp
03.05.2019 DE STUTTGART - LKA Longhorn
04.05.2019 DE MÜNCHEN - Backstage Werk
09.05.2019 DE HANNOVER - Capitol
10.05.2019 DE HAMBURG - Grosse Freiheit 36
11.05.2019 DE BERLIN - Columbia Theater
17.05.2019 DE KAISERSLAUTERN - Kammgarn
18.05.2019 DE KÖLN - E-Werk
24.05.2019 DE OBERHAUSEN - Turbinenhalle
25.05.2019 DE LEIPZIG - Haus Auensee
13.07.2019 DE JÄGERSBURG BAMMERSDORF - Shamrock Castle

Besucht Fiddler´s Green im Web:
fiddlers.de

Art des Interviews: Email
05.04.2019 by Otti

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