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Interview (Musik)Blättern: Vorheriger Artikel | Nächster Artikel

Hämatom: Reifer, Kränker, Konsequenter

Bereits vor einer Weile berichtete ich euch vom Hämatom-Konzi im Oberhausener Helvete. Am gleichen Abend führte ich auch ein Interview mit der Band... Nicht alle waren jedoch anwesend, Bassist West müsste sich laut Aussage seiner Kollegen noch von den Exzessen des Vorabends erholen.
Zu viert also sassen wir dann beisammen, um über Themen wie das aktuelle Album Stay Kränk, den Abbruch der Tour mit Ektomorf und das Rockstar-Leben zu plauschen. Dass die Veröffentlichung dieses Gesprächs nun etwas länger gedauert hat, ist nicht zuletzt dem geräuschvollen Metal im Hintergrund zu verdanken, welcher es Nicole und mir zudem teilweise schwer machte, die Stimmen von Sänger Nord und Drummer Süd auseinander zu dividieren. Sollten also Aussagen der beiden vertauscht sein... Verzeiht es uns. ;)

Otti:
So, wir haben ja eben schon kurz über die Tour gesprochen. Das ist jetzt das vorletzte Konzert der aktuellen Tour, richtig?

Ost:
Ja.

Otti:
Wie ist denn die Tour bisher gelaufen. War es zufriedenstellend, von den Besucherzahlen?

Ost:
Ja, es war sehr zufriedenstellend, bis auf ein, zwei Ausnahmen. Wobei eigentlich war nur eine Ausnahme dabei und das war Köln am Donnerstag. Da wars nicht ganz so gut, aber ansonsten haben wir jetzt langsam einen Schnitt, der echt für uns in unserer aktuellen Phase, mit 80 schon ganz gut ist. Also wir sind sehr glücklich nach der Ektomorf-Scheiße die im Januar passiert ist, war das jetzt schon sehr erfolgreich.


"Die Besprechungen eigentlich sehr gut, aber trotzdem nicht gleichgültig oder so stereotype Floskeln"

Otti:
Darauf wollte ich natürlich auch eingehen. Könnt ihr dazu schon etwas sagen?

Süd:
Ja, also grob zusammengefasst: Wir wurden verarscht, erniedrigt, beschimpft ...

Ost:
Beklaut ...

Süd:
Nebenbei auch noch beklaut - also das Fass ist täglich mehr übergelaufen und so haben wir am sechsten Tag gesagt: "Das können wir uns so nicht bieten lassen", haben unsere Grenze gezogen, die Tour gecancelt und die ganze Sache dem Anwalt in die Hand gegeben.

Otti:
Okay, aber die Sache läuft jetzt noch?

Süd:
Ja, so halb. Es kommt noch ein Tourtagebuch dazu online, um noch so ein paar Fragen der Fans zu beantworten - also es lag jetzt nicht an unserer Lust oder so.

Ost:
Nee, also wir sind auch hart im Nehmen, also es geht schon einiges, aber das war wirklich das unprofessionellste, was wir jemals erlebt haben. Der Tourmanager war ein reiner Witz.

Süd:
Das Ganze dann auch vor sehr beschissenen Zuschauerzahlen, teilweise 40 Leute und dann ein Aufblasen als seien sie die Oberchefs und immer etwas suchen, was einem nicht passt, Vertragsbruch usw. - da war irgendwie alles dabei, deswegen mussten wir konsequent sein.

Otti:
Dann besser durchziehen und sagen das wars dann.

Ost:
Ja, da muss ich sagen, da sind wir auch schon stolz auf uns. Wir haben schon mit uns gekämpft, denn wir haben ja eine Menge Geld gezahlt, dass wir da mitfahren und mitspielen durften und ich fand sehr gut, dass wir das durchgezogen haben. Auch im Nachhinein. Das hat am Anfang sehr weh getan, weil wir sehr viel Geld verloren haben, aber es war die einzig richtige Entscheidung. So etwas kann man sich nicht gefallen lassen. Man kann nicht Texte schreiben, wie wir sie schreiben und dann sich so erniedrigen lassen. Das geht einfach nicht.

Otti:
Nein, das passt nicht zusammen, das ist klar. Aber jetzt seid ihr ja mit Freunden unterwegs. Die Tour heißt ja auch "Hämatom & Friends" - Wer sind denn die anderen Bands?

Süd:
Ja, wobei heute sinds eben auch lokale Bands und das war wechselnd. Also es gab Akrea, mit denen haben wir gestern in Berlin zusammen gespielt und auch in Nürnberg - also es gab da auch Überschneidungen.

Otti:
Die kommen doch auch aus Nürnberg, oder?

Ost:
Ja, Akrea kommen aus der Oberpfalz.

Otti:
Wo denn in der Oberpfalz, das interessiert mich jetzt. Weiden?

Ost:
Genau. Weiden, Regensburg die Richtung.

Otti:
Weil da wohnt meine Freundin.

Ost:
Direkt in Weiden?

Otti:
Nein, Floß.

Nord:
In Floß. *lacht*

Ost:
Kennen wir, weil wir ja auch aus der Gegend kommen. So klein ist die Welt manchmal.

Otti:
Ja, eben. Ich hatte nur irgendwas mit dem Frankenraum in einem anderen Interview gelesen, aber jetzt nicht weiter nachgeschaut.

Ost:
Ja, sind coole Jungs. Haben wir gestern richtig schön mit gefeiert.

Süd:
Mitgefeiert und die sind natürlich musikalisch auch super.


"Als wir damals über das Konzept gesprochen haben, wollten wir überhaupt gar nicht politisch oder sozialkritisch werden. "

Otti:
Was mir auch aufgefallen ist. Ihr seid ja eigentlich noch gar nicht so lang dabei. Habt ihr vorher auch schon in irgendwelchen Bands gespielt oder seid ihr tatsächlich jetzt erst mit Hämatom aktiv geworden?

Nord:
Nein. Jeder von uns hat früh angefangen zu musizieren und viel mit verschiedenen Bands zu machen und Hämatom ist jetzt ...

Otti:
Hämatom ist jetzt das erfolgversprechendste, das ist ja doch ziemlich durchgestartet?

Ost:
Ja, na klar. Es geht immer geiler, logisch, aber man muss schon zufrieden sein mit dem, was in den letzten zwei Jahren passiert ist.

Süd:
Du fängst ja wirklich bei Null an und Wut war dann eben das Debüt und jetzt können wir ein bisschen ernten von der Wut und wenn es jetzt mit dem neuen so stetig weitergehen würde, wär das natürlich super.

Otti:
Ja, ihr habt ja live auch schon ein ziemliches Pensum abgezogen, was ich bis jetzt gesehen hab. Auch mit anderen namhaften Bands zB. den Apokalyptischen Reitern.

Ost:
Ja, wir haben wirklich schon viel gespielt.

Süd:
Das ist zB so eine Situation, wo wir erfahren haben, wie es auch sein kann im Vergleich zu Ektomorf. Es ging uns glaub ich bei Ektomorf allen so, dass wir es einfach nicht verstanden haben, wie man aus dem schönen Musizieren eine beschissene Kinderkacke machen kann.

Ost:
Wir kommen auch immer wieder auf das Thema zurück, weil es einfach so krass war. Man hat dann den Rock´n´Roll oder Metal auch einfach nicht mehr verstanden - und wenn es das ist, was man sich bieten lassen muss, dann wollen wir da auch nicht dabei sein. Es gibt einfach schönere Sachen.

Otti:
Ja, aber das ist ja heutzutage oft das Problem, dass man wirklich oft über den Tisch gezogen wird, meiner Erfahrung nach. Jetzt nicht in dem krassen Maßstab, aber alleine schon, dass man dafür bezahlen muss, um irgendwie mit auf Tour zu gehen.

Ost:
Das ist klar. Wobei ich das bis zu einem gewissen Punkt schon verstehe. Wenn da ein Nightliner mit dabei ist, man spart die Hotelkosten, das Benzin, die Backline wird mitgenommen, das Essen ist dabei und so weiter, soll es gut sein. Und wenn man dann vor 400 Leuten spielt, einem Publikum, dass man als alleiniger Headliner deutschlandweit bestimmt nicht siehst. Dann präsentiert man sich auch gut und wenn es gut läuft, ist es sinnvoll investiertes Geld und dann kommt ja auch durch Merch einiges wieder rein. Das heißt, wenn man 5000 Euro investierst und du gut ankommst, landest du letztlich vielleicht bei zwei, zweieinhalb Tausend, die man im Endeffekt zahlt, wenn man das Merch abzieht. Also das kann schon funktionieren und funktioniert auch, aber halt nicht so.

Nord:
Es kann halt nicht sein, dass man es sich zur Aufgabe macht, die ganzen Buy-Ons oder so als Einnahmequelle zu rechnen, bei jeder Band - am besten fünf Bands mitnehmen und jede schön zahlen lassen und dann deren Kohle einstecken.

Otti:
Eben, aber bei vielen läufts ja mittlerweile so. "Ihr zahlt uns die Tour" - im Endeffekt.

Ost:
Ja, zumindest die Nightliner und so weiter, ja. Aber da lieben wir dann solche Leute, wie die Jungs von Eisregen, die inzwischen wirklich gute Freunde geworden sind. Die Jungs sind Wahnsinn. Es ist das genaue Gegenteil. Die sind da so unkompliziert, die kennen das Wort Buy-On nicht. Du kannst einfach mitspielen - die sind genial!

Otti:
Also noch purer Rock´n´Roll, wie er mal war?!

Ost:
Yap. Der Mitch, also der Eisregen-Sänger, is ja auch dabei auf unserem neuen Album. Bei Spieglein macht er einen Zwischenteil mit, was uns auch sehr freut.

Otti:
Dann kommen wir auch mal zum neuen Album Stay Kränk. Ist ja jetzt einen knappen halben Monat raus, wie war bisher die Resonanz bei Publikum und Presse?

Süd:
Ich find super. Mit Wut sind wir schon mehr angeeckt und jetzt sind insgesamt die Besprechungen eigentlich sehr gut, aber trotzdem nicht so gleichgültig oder so stereotype Floskeln, sondern es werden immer wieder Songs hervorgehoben und es fühlt sich eigentlich gut und dankbar an. Ich finds auch von unserer Seite stimmiger das Album, weil es im Gesamten einfach sehr rund ist. Mir geht es immer noch so, dass wenn ich die Platte einleg, dann hör ich sie auch komplett durch und hör am Ende dann schon wieder den Anfang. Ich find es auch von der Länge jetzt besser ... Wut ist ja sehr lang, es sind sehr viele Tracks drauf.

Ost:
Mir geht das ähnlich. Wir hatten uns ja nach der Wut vorgenommen, dass wir verschiedene Sachen verbessern wollen, die uns einfach nicht so gefallen haben und das haben wir, finde ich, schon sehr gut umgesetzt. Außerdem war der ganze Produktionsprozess ein Zehntel so anstrengend, wie bei der Wut. Die Wut war eine Monsteraufgabe, das Ding zu produzieren. Das haben wir alles viel besser gemacht, aus der Erfahrung gelernt, deswegen bin ich auch sehr zufrieden.

Otti:
Ja gut, es klingt ja auch alles im Endeffekt reifer, sag ich mal. Also ich fand die Wut schon gut, aber die war ja noch so richtig "Kopf durch die Wand". Jetzt bei Stay Kränk ist es - ohne ein Konzeptalbum zu sein - einfach ein Konzept, homogener.

Ost:
Stimmiger. Auf jeden Fall, ja.

Otti:
Das ist aber auch etwas, was mir sehr stark aufgefallen ist - gerade diese krassen Gegensätze von Fast-Balladen bis hin zu richtig knallhartem Metal. Wie habt ihr das denn dann beim Songwriting gemacht, dass ihr im Endeffekt gesagt habt "Wir haben ja total unterschiedliche Songs, aber wollen trotzdem immer diese Energie, dieses Wütende auf den Punkt bringen"?

Ost:
Also bei uns ist es ja nicht so, dass einer die Songs schreibt, sondern es hat jeder Songs. Darum klingt auch nicht alles gleich. Jeder hat andere Einflüsse, das heißt es hört sich teilweise an, als ob vier verschiedene Bands daran mitarbeiten oder einen Song schreiben würden. Wir fahren immer auf Vorproduktion eine Woche, sperren uns da irgendwo ein, in den Bergen meistens in ein Haus. Wir machen da den ganzen Tag Musik und versuchen da die Songs in den - wie sagst du immer?

Süd:
... Hämatom-Häcksler ...

Ost:
... richtig, in den Hämatom-Häcksler zu werfen und komischerweise schaffen wir es immer wieder, bzw. haben wir es bisher immer geschafft, das nach Hämatom klingen zu lassen. Das ist uns gut gelungen, denn es waren zB Sachen von Süd dabei, die konnt ich mir am Anfang null vorstellen - der Song Spieglein - und den haben wir umgesetzt, dass er echt otpimal zum ganzen Album passt. Das haben wir fast mit jedem Song geschafft. Das ist aber auch nicht ganz leicht, sondern teilweise schon sehr anstrengend, weil wir alles sehr demokratisch entscheiden und das zerrt schon an den Nerven.

Otti:
Das glaub ich. Das zieht sicher auch viele Kämpfe untereinander nach sich - der eine will da noch feilen, der andere das noch etwas härter klingen lassen.

Süd:
Ja. Also wenn jemand eine Songidee bringt, die derjenige dann eigentlich schon fertig findet, dann ist das auch für den Autor sehr anstrengend zu erleben, wie der Song von den anderen dann wieder zerfetzt und zerfleischt und neu zusammengesetzt wird. Das ist schon anstrengend zu lösen, wobei es dann auch notwendig ist, um ein einheitliches Album zu schaffen - sonst würde man diese vier oder sechs Autoren - da sind ja noch zwei Leute, die mitmachen, die aber nicht auf der Bühne stehen - sonst würden man sechs verschiedene Songrichtungen auf einer CD finden und das wäre nicht gut.

Otti:
Durchgehendes Thema bei euch ist ja diese Wut, diese Aggression, dieses Thema-auf-den-Punkt-bringen. Sind dabei eure Auftritte mit den Masken dann eher eine Show oder tatsächlich auch Lebensinhalt diese Aggression?


"Auch in unserem Leben spielt Liebe eine Rolle"

Süd:
Also ich finde schon, es ist Lebensinhalt. Natürlich ist keiner vollkommen, also wenn ich jetzt einen Song über Umweltschutz machen würde - ich hab jetzt leider nicht das umweltfreundlichste Auto. Aber ich glaub, wir schauen alle Nachrichten und es gibt so Punkte, über die wir uns aufregen. Wir sind alle keine Menschen, die gleichgültig sind, aber vollkommen ist glaub ich sehr schwierig - in der totalen Konsequenz.

Ost:
Ich muss auch sagen, dass sich dieses sozialkritische in den Texten einfach rausgearbeitet hat. Es war niemals die Absicht von uns, eigentlich sogar im Gegenteil. Als wir damals über das Konzept gesprochen haben, war das gar kein Thema und wir wollten überhaupt gar nicht politisch oder sozialkritisch werden. Im Nachhinein hat sich einfach rausgestellt: Worüber sollen wir denn sonst schreiben? Wir können nur über das schreiben, was uns bewegt und auf gleichgültige Texte hat keiner von uns Lust. Der Inhalt ist sehr wichtig, vor allem weil wir auch deutsch singen. Es muss inhaltlich stimmig sein und klar, man muss das auch leben. Du kannst nicht jede einzelne Zeile in deinem Leben immer überprüfen, aber man muss schon versuchen deine eigenen Gebote zu haben und sich daran zu halten. Sich nicht wie ein Arschloch aufführen - ich glaub, das reicht schon, um das singen zu können.

Otti:
Also Love-Songs würden bei euch ja auch gar nicht ins Programm passen.

Ost:
Also wir haben ja Willkommen im Nichts auf dem Wut-Album. Ich finde das geht auch schon, aber man muss es im Hämatom-Style verpacken. Denn auch wenn mans nicht glaubt, auch in unserem Leben spielt Liebe eine Rolle.

Nord:
Wir haben ja auf dem Stay Kränk auch sowas wie Verpiss dich.

Otti:
Das ist ja eher ein Anti-Love-Song würde ich sagen.

Ost:
Genau, das ist ein Anti-Love-Song. Eigentlich ein Schlußmache-Ex-Love-Song.

Otti:
Nochmal was ganz anderes. Du hast gerade schon Liebe angesprochen - wie sieht es denn bei euch als Rockstars mit Alkohol, Drogen und Groupies aus. Läuft da irgendwas?

Ost:
Also gestern isses sehr gut gelaufen. *lacht* Also wir haben auch so einen Case dabei - ähnlich wie bei Fear And Loathing In Las Vegas - packen wir uns immer einen Koffer zusammen, mit allem was es so zu günstigen Preisen am Markt gibt ...

Süd:
... aber is natürlich alles biologisch angebaut und wird auch nicht von chinesischen Kindern oder so ...

Ost:
... gestreckt ... ja, das macht schon die Camorra in Neapel! Also Rockstar ist natürlich schon sehr übertrieben - der Begriff Rockstar gilt auch glaub ich nicht mehr, außer vielleicht für Jon Bon Jovi oder Lemmy, aber ansonsten - wer ist schon Rockstar dieser Tage? Diese Rockstar-Hülle ist schon lange auseinander gefallen, finde ich. Mittlerweile zumindest. Früher hat es noch etwas gegolten, wenn man ein Instrument in der Hand halten konnte, aber heutzutage kann das ja jeder Zweite und jeder Zweite spielt auch in drei Bands. Ich glaube, es gibt in Deutschland soviele Bands, wie es Einwohner gibt. Heute ist jeder Rockstar und da ist Respekt schon etwas anderes. Das hat seine guten Seiten, aber manchmal wünscht man sich natürlich "Hey, wo ist die Kohle, sind die Frauen?". Die suchen wir gerade noch.

Otti:
Das ist auch ein wenig der Fluch des Internets. Ich schreibe ja selbst für ein Internet-Magazin, aber durch MySpace, durch das Internet kann jede Piss-Band aus jeder Ecke ihre Musik mittlerweile überall hintragen. Früher war es eher so, wenn man sich einen Namen erspielt hat, dann war man auch ein Star, weil man gehört wurde und die Fans da waren. Da hatte man schon etwas erreicht. Heutzutage muss man nur ein paar Songs auf MySpace raushauen und richtig Promotion machen.

Ost:
Ja, das ist es. Die Illusion, diese Aura gibt es nicht mehr so. Das strahlt so nichts mehr aus. Das ist auch etwas, was mich persönlich sehr ärgert, dass der Wert der Lieder, der Musik an sich sehr stark abgenommen hat. In den letzten zehn Jahren ist das wirklich lächerlich wenig geworden - das einzige, was noch zählt ist live zu spielen. Man darf einfach nicht vergessen: man geht ins Studio, steckt eine Menge Arbeit rein, man nimmt das auf, was ja auch Geld kostet und hat eine Promo-Agentur, die kostet und kaum ist das Album draußen, kann man es schon umsonst holen - das ist eigentlich unglaublich! Allerdings wird auch zu wenig dagegen unternommen. Ich hab leider auch kein Rezept. Wir unterhalten uns da oft drüber, aber ich finde es so schade. Ich finde, dass die Musik, die man macht etwas wert sein muss. Man bekommt ja auch keinen Burger aus dem Internet geladen - da würde man sofort einschreiten, wenn das gehen würde. Aber wie soll man das verhindern? Ich weiß es leider nicht, es ist nur sehr traurig und schade, weil die Leute oft gar nicht mehr wissen, welche Arbeit dahinter steckt. Es wird ja sogar von Promotern gemacht. Man schickt Promo-CDs raus und noch bevor der eigentliche Release stattfindet, kann man das schon im Internet runterladen. Darum muss man es heutzutage einfach live schaffen. Live ist mit Abstand das Wichtigste geworden und da muss man die Leute überzeugen.

Otti:
Da habt ihr ja gute Chancen. Ist zwar heut meine erste Show, aber nach allem, was ich bisher gehört hab, seid ihr doch vor allem eine Live-Band.

Ost:
Ja, wir bieten auch schon etwas fürs Auge. Wenn wir manchmal auf Festivals spielen, dann ist ja immer Schwarz die Farbe, die gilt. Und dann sieht man sechs Bands und allesamt sind sie schwarz und langhaarig. Und dann kommt Hämatom und entweder man mag uns oder nicht aber das fällt in jedem Fall auf und die Leute wissen am nächsten Tag auf jeden Fall, wer Hämatom war. Aber Krossus und Knussus und Kolossus sehen halt aus wie jeder und das verliert sich dann schonmal. Darum find ich das schon einen wichtigen Punkt bei uns, sonst geht man so schnell unter in der Masse.

Otti:
Auch musikalisch seid ihr ja nicht gerade typisch Metal, oder typisch Rock, sondern ihr habt einen Stil, der sehr speziell ist, sag ich mal. Kommen wir mal noch zu etwas Spaßigerem: Wenn ihr zusammen am Montag shoppen gehen würdet, was würde alles in eurem Einkaufswagen landen?

Ost:
Also, wenn ich das Geld hätte, um am Montag einkaufen gehen zu können *lacht* ... dann würde ich kaufen: einen Kasten Stilles Wasser, das is ganz wichtig um wieder einigermaßen auf die Beine zu kommen. Momentan bin ich ach scharf auf nen Fruchtzwerg...

Nord:
Nee, ich hol mir erstmal 'nen Kasten Bier, weil war ja der Sonntag dazwischen und das is dann auch irgendwie scheiße und dann vielleicht nochn Brot oder so.

Süd:
Ich würd gern in einen Plattenladen gehen und da mal wieder rumstöbern ...

Ost:
*stöhnt laut auf*


"Wir bieten auch etwas fürs Auge"

Otti:
Und nach was zB?

Süd:
Also ich hab sehr viele Sachen im Kopf, wenn ich so Magazine les. Darum würd ich einfach mal in der Hard'n Heavy Ecke rumgestöbert.

Ost:
Er lebt halt von Musik - schüttet sich die ins Ohr. Wir versuchen dann auch mal was zu essen zwischendurch *lacht*

Otti:
Die Tour ist ja nun auch fast zu Ende. Ich hab gesehen, ihr habt einige Festival-Termine und einige Club-Gigs - habt ihr sonst noch etwas in Planung?

Süd:
Also erfreulicherweise kommt gerade fast wöchentlich noch ein Sommer-Termine rein. Da ist noch einiges drin und das ist super. Das ist so die Hauptplanung - dann wird sich erstmal jeder für sich zurückziehen und neue Ideen sammeln. Das hab ich zumindest für mich vor.

Otti:
Ich gehe auch mal davon aus, ihr habt alle nebenher noch einen Job, oder?

Nord:
Ja, mehr oder weniger.

Ost:
Es dreht sich bei uns schon alles um die Musik - Wir geben alle Unterricht, sind Gitarren-, Schlagzeug-, Basslehrer. Arbeiten im Studio und so weiter - also die Branche ändert sich nicht unter der Woche, aber wir müssen alle auch ein bisschen arbeiten, um Geld zu haben, das wir bei Hämatom wieder ausgeben können.

Otti:
Zum Beispiel für Touren!

Nord:
Ja, um als Buy-Ons wieder beschissen zu werden ...

Ost:
Es macht aber natürlich auch Spaß!

Nord:
Und wir sammeln Erfahrungen, die dann auch widerum Grundlage für neue Texte sein können.

Ost:
Die kriegen mit Sicherheit einen schönen Song von uns auf dem nächsten Album. Ich will nicht zuviel verraten, aber "Trust" wird vielleicht vorkommen - also Vertrauen könnte ein großes Wort sein.

Otti:
Trust? Also vielleicht auch in englisch dann?

Ost:
Nein, nein auf keinen Fall.

Süd:
Wir bleiben deutsch ...

Ost:
Wobei vielleicht so ein englischer Refrain wär vielleicht auch mal nicht schlecht.

Nord:
So ein bisschen mit der Sprache zu spielen, macht ja auch Spaß.


V.l.n.r.: West, Ost, Otti, Nord, Süd

Otti:
Damit ihr euch gleich noch ein bisschen vorbereiten könnt, kommen wir mal zum Abschluß. Eins würd mich noch interessieren - wenn haltet ihr für den besseren Musiker - Robert Smith oder Bela B.? Und vor allem: Wieso?

Nord:
Robert Smith.

Süd:
Bela B.

Ost:
Ich auch, Bela B. Ja, ich steh einfach mehr auf Bela B. Ob das musikalisch besser ist, oder nicht ... aber Bela B. gibt mir halt mehr.

Nord:
Wie kommst du auf die beiden?

Otti:
Naja das sind zwei Musiker, die mich persönlich sehr geprägt haben.

Nord:
Naja, Robert Smith war für mich das Lebenselixier für mindestens drei Jahre.

Otti:
Dann würde ich sagen enden wir hier. Habt ihr sonst noch irgendetwas, was ihr loswerden möchtet?

Ost:
Kauft keine Ektomorf-CDs mehr!

Nord:
Schaut mal auf unserer Website vorbei, kauft unser neues Album, dass es seit dem 15.01. schon im Laden gibt und schaut bei unseren Gigs vorbei!

Haematom.de
Konzertbericht vom Helvete-Auftritt
Bildergalerie vom Abend

05.04.2010 by Otti

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