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Mein halbes Leben

Wenn man 30 wird, scheint das Leben zunächst seinen Zenith erreicht zu haben. Entweder man hat sich selbst gefunden, vielleicht eine Familie gegründet oder eine erfolgreiche Karriere gestartet, oder es ist schon zu spät. Gesundheitlich plagen die ersten Wehwehchen, man gehört nun zum "Alten Eisen".
Doch ist das wirklich so? Der österreichische Marko Doringer hat genau diesen Wendepunkt gerade hinter sich. Erreicht hat er augenscheinlich nichts, stattdessen muss er sich gerade von seinem ersten Backenzahn verabschieden. In den Augen seines Vaters lebt er ein viel zu unsicheres Leben, seine alten Freunde sieht er seit seinem Umzug nach Berlin nur noch selten. Und so stellt er sich ganz persönlich die Frage nach dem Sein, danach wo er steht und wo er als 30-Jähriger noch hin will. Die Kamera im Anschlag begibt er sich auf Spurensuche, in seiner Familie und bei seinen Freunden. Wie geht es seinen Gleichaltrigen heute? Und was haben die Eltern und Großeltern mit 30 erreicht, was ist aus ihnen geworden?

Mit seiner preisgekrönten Dokumentation Mein Halbes Leben durchleuchtet Doringer auf einzigartige Art und Weise all jene Existenzfragen, die sich nahezu jeder ab einem gewissen Alter stellt. Familie oder Freiheit - Was gilt es anzustreben? Ab wann hat man wirklich etwas in seinem Leben erreicht? Um Antworten hierauf zu finden, reist der Regisseur in die alte Heimat und stellt genau diese Fragen den Menschen aus seinem engsten Umfeld. Da ist der Kumpel, der zum Jungmanager avanciert ist, dessen größter Stolz aber seine Zeit als Heavy Metal-Sänger war. Und da ist die gute Freundin, die sich zwar "irgendwann" ein Kind wünscht, aber in ihrer momentanen Situation dafür eigentlich keinen Platz sieht. Das spezielle Verhältnis zu seinem Vater gipfelt in Diskussionen über Lebensversicherungen, die Ex erklärt, warum das mit ihr und Marko nie halten konnte, und der nächste Freund fühlt sich in seinem Leben als Sportjournalist festgefahren, hadert aber damit einen neuen Schritt zu wagen. Bei all dem hat der Regisseur die Kamera stets "auf dem Schoss", schafft so eine intime Atmosphäre, welche die realen Protagonisten dazu verleitet, wirklich sie selbst zu sein und offene Worte zu finden.

Mit minimalistischen Mitteln schafft es Mein halbes Leben so, Fragen aufzuwerfen und stellenweise auch zu beantworten, ohne hierbei gekünstelt zu wirken. Im Gegensatz zu den Plagegeistern, die sich "Reality- oder Doku-Soaps" nennen, ist hier nichts verfälscht, die spezielle Art der Kameraführung und auch Regie lässt uns Zuschauer direkt in die Welt des Filmkünstlers eintauchen, eine Welt, die trotz des eigentlich sogar ernsten Grundthemas auch immer eine gewisse Portion (Selbst-)Ironie und Humor mitbringt.
Empfehlenswert ist es allerdings für jeden, der des österreichischen Dialekts nicht besonders mächtig ist, die deutschen Untertitel einzuschalten. Zwar bemüht sich Doringer selbst um eine gute hochdeutsche Aussprache, aber einige der anderen Personen in Mein halbes Leben sind für einen Piefke doch eher schwer zu verstehen - und dadurch würde man so manche interessante und witzige Anekdote missen.

Für mich als ebenfalls nun von der 30 geplagten Mitbürger war dieser Film definitiv ein Volltreffer. In jeder Person aus der "Clique" von Marko findet sich auch irgendwo ein Stück Otti, und ich denke, dass es uns allen ähnlich geht. Zwar geht jeder seine Träume anders an, doch überschneiden sich viele Fragen und Vorstellungen - Aber auch Zuschauer anderer Generationen sollten Freude an diesem Film finden: Sei es um uns "alte Säcke" besser zu verstehen, oder um sich an die Zeit um die eigenen 30er zurück zu besinnen. Mein halbes Leben ist somit eine pointierte, unterhaltsame und informative Doku für die ganze Familie.

Ausstattung: 1 DVD
Extras: Trailer
Vertrieb: Lighthouse Home Entertainment (www.lighthouse-kg.com)
Genre: Dokumentarfilm
Spieldauer: ca. 94 Min
FSK: 0

Regie:
Marko Doringer
Cover

01.04.2010 by Otti

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15.05.2011Homo~Futura: Der neue Mensch(Rezension: Musik)

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