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Siegfried Obermeier: Bianca Lancia - Die Buhle des Kaisers

Kaiser Friedrich II. war definitiv kein Kind von Traurigkeit, Frauen waren kaum vor ihm sicher. Seine Ehen freilich politischer Natur, hielt er sich Haremsdamen und Konkubinen, auch sonst wärmte so manche Maid sein Bett. Doch eine hat es ihm ganz besonders angetan, die junge Bianca Lancia, Sprössling eines extrem kaisertreuen Adelsgeschlechts aus Pisa, überstrahlt all seine Liebschaften und ist mehr als nur eine Sexgespielin. Sie steht ihm mit Rat und Tat zur Seite, duldet ohne mit der Wimper zu zucken alle anderen Weibchen, die um den Kaiser herumtänzeln und sieht sich Friedrich auf tieferer Ebene lebenslang verbunden.

So zumindest gestalten sich die Figuren in Bianca Lancia - Die Buhle des Kaisers, einem historischen Roman aus der Feder des Münchner Autors Siegfried Obermeier. Es sei dazu gesagt, dass die "echte" Bianca und ihre Beziehung zu Friedrich, wie so vieles in der Geschichte, umstritten ist. Der hier besprochene Roman erhebt mit Sicherheit keinen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit, sondern vermengt, wie im Genre üblich, überlieferte Charaktere und fiktive Figuren, bettet sie in historisch nachgewiesene Kernereignisse und packt eine ordentliche Portion selbst erdachter Alltagsgeschichten hinzu.

In Bianca Lancia geht es um Sex und Macht, Liebe und Politik, um die Vermengung dieser Faktoren. Bianca ist schon als junges Mädchen fasziniert von den Erzählungen ihrer Familie über die Lichtgestalt des Kaisers Friedrich II. Als sie ihm überraschenderweise gegenüber treten darf, geschieht etwas, was sie als Zeichen für eine höhere Verbindung zu ihm nimmt. Daraus schließt sie, er sei der einzige irdische Mann mit dem sie je das Bett teilen werde. Auch Friedrich kann das kleine Mädchen nicht vergessen, Jahre später ruft er sie unter einem Vorwand zu sich und eine beispiellose Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf.

Siegfried Obermeier erzählt aber nicht nur von den beiden Hauptfiguren, sondern baut zahlreiche Nebenhandlungen in seinen Roman ein. Die Brüder der Bianca, ihre Zofe Anna und andere spielen wichtige Rollen, all deren Liebeleien werden am Rande immer wieder beschrieben. Zudem wird der Konflikt des Kaisers mit den Päpsten seiner Lebzeit und dem Lombardischen Bund thematisiert, ein Kreuzzug unternommen und viele andere Ereignisse finden Erwähnung. Häufige Sexszenen sind hier ebenso wichtige Stilelemente wie die Gespräche zwischen Kaiser und Konkubine, wobei letztere oftmals als lebendes Gewissen des Herrschers fungiert.

Der komplexen und nicht gerade linearen Geschichte ist dabei teilweise schwer zu folgen, vor allem im ersten Teil des Buches. Es dauert eine Weile, bis man sich an die Sprunghaftigkeit der Ereignisse gewöhnt hat, zumal Obermeier oft plötzlich zu jenen nach mehreren Seiten zurückkehrt, wenn er die Perspektive auf eine andere Figur verlagert. Auch ungewöhnlich ist sein Erzählstil, der ein wenig an einen Märchenonkel erinnert. Floskeln in der Art von "Aber dazu kommen wir später" oder "Wie bereits erwähnt" finden sich immer wieder, sorgen dabei allerdings nach einer kurzen Inkubationszeit für ein angenehm altertümliches Flair.

In meinen Augen ein wenig unpassend ist die Angewohnheit des Autors, einzelne Begriffe in der Sprache des jeweiligen Protagonisten einzustreuen, was meist aufs Italienische hinaus läuft. Manche Worte lassen sich zwar ableiten (z.B. "bordello") oder erklären sich aus dem Kontext, andere aber müsste man extra nachschlagen um den Sinn zu verstehen... Was ohne bereit liegendes Wörterbuch oder Webzugriff eher schwierig ist. Und ich für meinen Teil lese gerne ein Buch, ohne ständig in anderen Quellen nachschlagen zu müssen. Zumindest ein entsprechendes Glossar wäre mir hierbei doch lieb gewesen.

Lässt man sich auf den Stil des Schreibers ein, dann bietet einem Bianca Lancia - Die Buhle des Kaisers auf jeden Fall eine unterhaltsame Geschichte, die sicherlich fiktionaler ist als es zunächst den Anschein haben mag. Siegfried Obermeier gewährt uns einen interessanten Einblick in das Leben historischer Figuren, wie es gewesen sein könnte, streut Weisheiten ein und spielt dabei seine ganze Erfahrung aus. Empfehlenswert - Man sollte sich allerdings nicht vom zähen Anfang abschrecken lassen.

Veröffentlicht: 24. Februar 2011
Autor: Siegfried Obermeier
Verlag: Verlag Philipp von Zabern
Umfang: 416 Seiten
Preis: 19,90 Euro (Flexicover)
ISBN: 978-3-8054-4280-3

Cover

04.08.2011 by Otti

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