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Art Noir

Manchmal fügen sich die Dinge einfach ineinander. Im Oktober hatte sich Jan persönlich bei uns gemeldet, um auf das aktuelleArt Noir-Album Silent Green aufmerksam zu machen, welches mich dann ja auch sehr berührt hat. Kurz danach wurde dann für die aktuelle Negatief-Ausgabe ein Autor für einen entsprechenden Artikel gesucht - Da stand es ausser Frage, daß ich mich diesem Thema widmen würde. Zu sehr war mir das spannende Dark Ambient-Projekt um den sympathischen Mastermind schon ans Herz gewachsen, und so führte ich als Grundlage für eben jenen Artikel ein Interview mit Art Noir, welches ihr hier nun in voller Länge wiederfindet.

Otti:
Hallo Jan, im Sommer ist ja dein Album Silent Green auf den Markt gekommen, der erste Longplayer von Art Noir. Wie waren denn die bisherigen Reaktionen auf das Werk, und wie betrachtest Du es nun selbst, knapp ein halbes Jahr nach dem Release?

Jan:
Der erste war es nicht gerade. ;-) 2002 gab es Flügel und 2004 die Kooperation mit Carlos Perón und anderen (Mondgesänge).
Die erste Aufregung ist abgeklungen, aber immer noch flattern mir neue Rezensionen ins Haus, und das ist immer noch spannend. Man kann mit begrenztem Budget leider nicht alles auf einmal realisieren, was die Promo angeht. So bin ich immer noch ein bisschen in den Nachwehen, in dieser ersten Phase nach der Geburt der CD sozusagen, für mich ist die Veröffentlichung noch nicht wirklich lange her; es war schön, das fertige Ergebnis in den Händen zu halten nach der langen Produktionszeit. Inzwischen habe ich den Eindruck, dass die Musik recht gut ankommt, Tanzflächen-Knaller sind naturgemäß nicht dabei, aber wie sich die CD verkauft, weiß ich leider noch gar nicht, das verrät uns der Vertrieb erst nächstes Jahr. Auf jeden Fall ist es schön, nicht mehr alles alleine machen zu müssen. afmusic ist schon eine große Hilfe!


"Musik transportiert hauptsächlich Emotionen, für Gedanken sind eher Worte zuständig."

Otti:
Ein immer wieder betonter Aspekt bei diesem Album ist ja das Mitwirken von Nadine Stelzer (Ex-In Strict Confidence), die ja zu Brother of Sleep und dem Titeltrack Silent Green ihre Stimme beigetragen hat, zudem für die Lyrics des letzteren verantwortlich ist. Hatte sie auch Einfluss auf die Gestaltung dieser und der anderen Songs? Siehst Du sie nun als vollwertiges Mitglied bei Art Noir?

Jan:
Nadine ist erst dazu gekommen, als die Musik schon weitgehend fertig war. Ursprünglich war die CD mit kleinen Ausnahmen ja als Instrumental-Album konzipiert gewesen. Ich hätte sicher noch das eine oder andere geändert, wenn Nadine das gewollt hätte, aber ihr haben die Stücke so schon gefallen. Wir sehen uns aber eher als Kooperation, nicht als EINE Band. Nadine und ich werden sicher wieder etwas zusammen machen, wir haben schon neue Ideen, aber vielleicht wird es auch noch andere Gäste geben.

Otti:
Was manchem vielleicht gar nicht so bewusst geworden sein könnte ist ein weiterer Gast, Kasumi Kobayashi, die ihre gesprochenen japanischen Vocals über Autumn Moon legt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Jan:
Das war eigentlich erst gar keine klassische Zusammenarbeit. Ich hatte Kasumis Aufnahmen im Internet gefunden, mit Creative Commons-Lizenz, aber leider ohne Angabe der Sprecherin, so dass in einer früheren Fassung des Booklets noch stand: "thanks to an unknown Japanese lady". Erst später, als die CD schon beim Pressen war, habe ich die Frau mit der verträumten Stimme ausfindig gemacht und ihr das Stück geschickt. Und sie fand es gar nicht schlecht. :)

Otti:
Ambient im allgemeinen, und deine Arrangements im Besonderen, leben ja von komplexen Soundstrukturen, die ineinander verschmelzen und so Spannungen und Emotionen erzeugen. Versuch doch mal, für einen Laien verständlich, kurz zu erklären, wie ein solches Stück (z.B. Mental) entsteht.

Jan:
Meist steht ein ganz kleines Stück am Anfang, das kann ein bestimmter, inspirierender Sound sein, oder eine Reihe von Akkorden. Dann suche ich nach weiteren Elementen, und so wächst das ganze allmählich heran, wie eine Art Organismus. Es wird größer und dichter, Strukturen werden erkennbar, oder müssen geschaffen werden. Bei Mental war die ursprüngliche Idee, ein Stück im Dreivierteltakt zu schreiben, daraus hat sich dann im Lauf der Arbeit dieser Walzer ergeben. Zuerst die Akkordfolge ganz abstrakt, danach als Keimzelle das verfremdete Cembalo, und drum herum hat sich der Rest des Stücks entwickelt.

Otti:
Der Titel des Albums erweckt unweigerlich Assoziationen zum Film "Soylent Green" mit Charlton Heston in der Hauptrolle, ansonsten scheinen aber scheinen Welten zwischen beiden Werken zu liegen, und auch der Text vom Song als solchen scheint fernab der Filmthematik. Gibt es da denn Berührungspunkte, die man bei genauerem Betrachten wahrnehmen könnte?

Jan:
Die Ärzte hießen zuerst Soilent Grün.
Nein, Spaß beiseite. Mit dem Film an sich hat meine Musik nichts zu tun, aber die Ähnlichkeit ist auch nicht ganz zufällig. Ich mag es, wenn man nicht mit der Tür ins Haus fällt, wenn Zusammenhänge erst auf den zweiten Blick auffallen. In "Soylent Green" dienen Tote als Nahrung für die Lebenden, weil es zu viele Menschen gibt und nicht genügend Lebensmittel. Vielleicht ist die Situation heute sogar noch schlimmer: Menschen am anderen Ende der Erde sterben, damit wir hier einen warmen Arsch haben oder mit 180 über unsere geliebte Autobahn rasen können. Völker hungern, weil wir mit Nahrungsmittelpreisen spielen oder unsere Rinder mit billigem Soja füttern müssen. Darauf spielt Silent Green auch an.

Otti:
Wie ich gelesen habe, bist Du auch Filmkomponist: Inwieweit unterscheidet sich diese Arbeit von deinem Schaffen bei Art Noir, und aus welchen Filmen könnte man deine Soundtracks vielleicht kennen?

Jan:
Das sind zwei ziemlich unterschiedliche Welten. Musik für Filme ist meist eng eingegrenzt. Nicht nur durch den Film, sondern vor allem durch sehr feste Vorstellungen der Regisseure, so dass die Arbeit manchmal nur aus Imitieren besteht. Das kann auch Spaß machen. Bei Art Noir habe ich zwar auch für mich eine bestimmte Richtung vorgegeben, bin aber doch sehr viel freier. Und ich habe alle Zeit der Welt, um alles mögliche auszuprobieren, was aber andererseits ein Nachteil sein kann.
Irgendwann muss man auch zum Ende kommen und sagen, so ist es jetzt gut. Das ist nicht einfach, irgendeine Kleinigkeit gibt es eigentlich immer noch zu verbessern. Meine Filmmusik passiert eher im Verborgenen, es gibt ein paar Dokumentarfilme, die immer mal wieder im Fernsehen laufen, ansonsten bin ich auf Filmfestivals und Messen zu hören, es war auch schon was im Internet. Und die Deutsche Bahn hat mal was für ihr Bordprogramm gekauft.

Otti:
Der Schriftsteller Berthold Auerbach sagte einmal: "Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden." Wie siehst Du diesen Ausspruch in Bezug auf Dein Schaffen, aber auch generell als Wertung der Musik als solche?

Jan:
Das ist sicher richtig. Eventuell mit Ausnahme von südamerikanischen Buschvölkern oder Balinesen, die würden Art Noir vielleicht nicht verstehen. Aber wer weiß. Generell ist Musik schon eine Art Weltsprache. Aber es ist schön, wenn man sich auch auf anderen Ebenen versteht. Musik transportiert hauptsächlich Emotionen, für Gedanken sind eher Worte zuständig. Das Schöne an Musik ist, dass sich das beides verbinden lässt. Bei den japanischen Gedichten aus dem Hyakunin Isshu war mir fast egal, was das übersetzt bedeutet, aber für unsere englischen Texte finde ich es schon schön, wenn sie überall verstanden werden.

Otti:
Neben der Musik scheinen dir auch die Natur und die Umwelt sehr am Herzen zu liegen, wie man aus den Bannern für Goth for Earth und das GOthFAIR-Festival auf deiner Homepage schließen kann. Glaubst Du, der Raubbau an unserem Planeten und die Ausbeutung des Menschen an Tier und Pflanze lassen sich irgendwie noch umkehren?

Jan:
Ich bin sicher. Die Frage ist nur, wann?! Wie viele Menschen und Tiere leiden und sterben noch bis wir vernünftig werden? Immer mehr Menschen kommen auf den Trichter, aber die alten Strukturen sind noch sehr stark, z.B. unsere fossile Energieversorgung, der Verbrennungsmotor oder die Idee, dass Milch und Fleisch gesund oder wichtig seien. Kurzfristige und eigene Interessen zählen immer noch viel zu viel. Das zu ändern wird lange dauern. Deshalb ist es großartig, wenn solche Netzwerke entstehen wie Goth For Earth, um Ideen zu sammeln und Kräfte zu bündeln. Leider haben wir eigentlich keine Zeit mehr.

Otti:
Was sind, oder waren, für dich die schönsten Momente in deinem Leben?

Jan:
Das sind viele. Kreative Gespräche, ein Frühstück mit meiner Liebsten im Bett, ein einsamer Spaziergang im Herbst, schöne Erinnerungen, baden im Meer, geile Musik hören...

Otti:
Und zu guter letzt sag mir doch bitte, welche Pläne Du für die nächste Zeit mit Art Noir hast.

Jan:
Wie gesagt, ich habe schon wieder Lust, neue Songs zu schreiben, außerdem haben wir eine Einladung, auf einem Festival zu spielen. Das vorzubereiten wird sicher viel Arbeit, aber wir freuen uns darauf.

Vielen Dank!

Website:
www.artnoir.net

Art des Interviews: Email
05.12.2009 by Otti

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